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Das Bohnengericht

Ich esse so gerne Bohnen mit Speck,
Dafür geb´ ich alles andere weg.

So geschah es auch im Wonnemonat Mai,
Meine Frau war Gott sei Dank nicht dabei.

Da hab ich auch mal wieder Bohnen gegessen,
Und dann drei Stunden auf dem Häuschen gesessen.

Ich hab´s versucht, hab getan, was ich konnt´,
Aber es rührte sich nichts in dieser Stund.

Ich geh um acht zur Mai-Andacht hin,
Die Bohnen, sie waren alle noch drin.

Der Pastor predigt vom jüngsten Gericht,
Der Angstschweiß steigt mir ins Gesicht.

Er predigt von Heulen und Zähneknirschen,
Die Bohnen sich langsam zum Ausgang pirschen.

Ich hörte Worte von Teufelsqualen und Höllengestank,
Das ist ´ne Idee - Mensch, Gott sei Dank.

Nach links und rechts tat ich jetzt blinsen,
Der erste geht mir schon durch die Binsen.

Den zweiten hatte ich noch unter Kontrolle,
Aber der dritte haute direkt in die Vollen.

So drei bis fünf sind mir leise entwischt,
Einige Leute wurden ganz blaß im Gesicht.

Vorsichtig guck ich die Kirche entlang,
Die ersten fallen schon ohnmächtig um in der Bank.

Auf der anderen Seite nimmt eine Frau Parfüm,
Ich denke nur: Umsonst, - du fällst auch gleich noch hin.

Und im Mai steht am Altar immer ein Strauß Flieder,
Ein altes Mütterchen sagt: Was stinkt der heut wieder.

Die letzten Worte konnte sie nur noch lallen,
Dann ist sie lang in die Kniebank gefallen.

Der Pastor sagte: Was ist denn los?
Da ruft hinter mir einer: Hier ist die Hölle los!

Da hab ich einmal kurz genossen,
Und bei der Gelegenheit meinen Hintermann abgeschossen.

Der Pastor wird stutzig und fängt an zu bangen,
„Das hängt doch wohl nicht mit meiner Predigt zusammen?“

Und als wieder einer aus der Kirche rennt, er fast weint,
Und sagt: So habe ich das doch gar nicht gemeint.

Der Küster tat aus der Sakristei herrausrasen,
Ich hatte mit einer Bohne das ewige Licht ausgeblasen.

Der ist aber auch nur bis zur Altarstufe gekommen,
Beschnuppert die Luft, und wackelt benommen.

Fängt an zu kippen und sucht nach ´nem Halt,
Doch eine meiner Bohnen erwischte ihn kalt.

Ich gucke mich um, so voller Entrüstung,
Da liegt der Organist oben über der Brüstung.

Er ist am Würgen und am kriechen,
Da ahnte ich, daß die da oben auch was riechen.

Und dann ertönte von hinten ein erbärmlicher Gesang:
„Am dreißigsten Mai ist der Weltuntergang!“

Und als es kracht in allen Rohren, sang der Kirchenchor:
„Menschen die ihr wart verloren!“

Endlich war die Andacht vorbei,
Ich fühlte mich wieder frisch und frei.

Es braust ein Ruf wie Donnerhall,
Die Bohnen sind nun endlich all.

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